Ofen einräumen

Schrühbrand oder Glasurbrand?

Der Unterschied zwischen Schrühbrand (auch Rohbrand oder erster Brand genannt) und Glasurbrand (auch Glattbrand oder zweiter Brand genannt) ist dass die Glasur bei den hohen Temperaturen im Ofen schmilzt und dann Teile zusammenklebt. Da im ersten Brand nichts glasiert ist, dürfen sich die Teile hier berühren.
Der Porzellanbrand wird gleich wie der Glasurbrand behandelt.

Schrühbrand und Glasurbrand gleichzeitig?

Ist möglich! Aber gefährlich! Wir haben da schon schlechte Erfahrungen gemacht.
Stellen Sie sich vor, Sie stellen schrühgebrannte und glasierte sowie ungebrannte und glasierte sowie ungebrannte unglasierte Ware in den Ofen. Als Temperatur wählen Sie die Endtemperatur der Glasur, vorneweg kommt ein langsames Aufheizen.
Technisch ist das ohne weiteres möglich.
Stellen Sie sich vor was passiert wenn eines der ungebrannten Teile noch Luft enthält oder zu nass ist und deshalb beim Brennen explodiert!
Das Resultat: Alle - auch die glasierten Teile - sind mit Tonpartikeln gesprenkelt, die nach dem Brand natürlich auch noch unschön sichtbar sind.
Darum fahren wir immer die beiden Brandarten getrennt - auch wenn's eilt!

Schrühbrand:

Teile dürfen einander berühren, auch ineinandergestapelt werden, dürfen dann aber nicht klemmen oder sich gegenseitig verkeilen. Die Teile stehen direkt auf der (sauberen) Ofenplatte ohne jeglichen Untersatz.
Der Ofen heizt anfangs langsam auf, damit die Restfeuchte (auch die chemisch gebundene Feuchtigkeit) entweichen kann.
Brennkurve z.B.:

Glasurbrand:

Teile stehen auf Dreifüßen oder Dreikantleisten, es sei denn der Boden der Teile ist absolut sauber abgeputzt. Jeder Glasurrest oder auch ein Glasurtropfen auf der Platte führt zum Kleben der Teile an der Platte. Die Teile dürfen einander nicht berühren, 1 Fingerbreit Abstand sollte mindestens zwischen den Teilen vorhanden sein. Der Ofen heizt anfangs langsam auf, damit die Feuchtigkeit in der Glasur voll entweichen kann
Brennkurve z.B.:

Höhe der Teile:

Suchen Sie für eine Lage im Ofen immer etwa gleich hohe Teile aus, Sie verschenken dann am wenigsten Platz. Wenn Sie einen Toplader haben: Zumindest bis Sie genügend Erfahrung haben sollten Sie die Teile kurz neben aufgestapelte Ofenstützen stellen um die richtige Höhe ihres Faches zu ermitteln, damit die Teile nicht an der nächst oberen Ofenplatte anstoßen. Beim Glasurbrand dabei die Höhe der Dreifüße nicht vergessen!




Schrühbrand:

Kleine Teile wie Ausstecher o.ä. werden in Schalen gestapelt - immer nur die gleichen Farben beieinander!

Die Teile dürfen auch aufeinanderliegen, sich aber nicht verkeilen, damit die Ausdehnung in der Ofenhitze nicht zu Bruch führt:

Über den Teilen brauchen Sie ca. 1 cm (1 Finger hoch) Platz zur nächsten Platte. Auch hier kann die Wärmeausdehnung zu Bruch führen.

Rote und weiße Teile sollten einander nicht berühren, wenn sie nicht glasiert werden sollen.
Die Teile kleben zwar nicht zusammen, aber es bleiben meist Spuren der anderen Farbe zurück.

Der komplett eingeräumte Ofen - fast kein Platz wurde verschenkt!




Glasurbrand:

So sieht eine ungepflegte Ofenplatte aus: Mit Glasurtropfen und mit Stellen an denen das Trennmittel schon entfernt, aber noch nicht repariert ist:

Zuerst werden die Glasurtropfen mit einem scharfen Meisel vorsichtig entfernt.
Die Platte muß dabei eben auf dem Untergrund aufliegen, damit sie nicht bricht.Die Splitter sind rasiermesserscharf!

Danach wird die betreffende Stelle mit Trennmittel (siehe Zubehör) ca. 1 mm dick eingepinselt.

Eine Anmerkung am Rande: Wenn Sie sich das Entfernen der Glasurtropfen sparen möchten, investieren Sie doch in einen zweiten Satz Platten. Wir haben einen Satz für den Glasurbrand und einen Satz für den Schrühbrand. So brauchen unsere Schrühbrandplatten nicht immer klinisch sauber und glasurtropfenfrei zu sein, und wir reinigen unsere Glasurbrandplatten nur von Zeit zu Zeit.

Alle unten glasierten Teile müssen auf Dreifüße in den Ofen gelegt werden!

Gleich hohe Teile alle auf eine Lage:

Die Teile dürfen einander auf keinen Fall berühren, sonst klebt die Glasur sie zusammen!
Immer 1 Zentimeter Abstand lassen!

Die unterste Lage im Ofen ist eingeräumt, hier ist genügend Platz zur nächsten Platte. Als "Abstandhalter" wurde eine hohe und eine flachen Ofenstütze verwendet:

Der Abstandstest: Über einen Stapel Ofenstützen zum nächsten schauen, ob noch Brennware oben drüber schaut.
Beim Toplader findet dieser Test außerhalb des Ofens statt.

Hier sind die Stützen zu niedrig: Teil in eine andere Lage oder noch eine halbhohe Ofenstütze einbauen.
Auch hier gilt: Zwischen Teil und nächster Ofenplatte sollte 1 Fingerhoch Abstand sein!

Krummgebogene Dreifüße oder Dreifüße mit Glasuranhaftungen werden einfach mit der Zange gebogen, dann werden sie wieder gerade und sauber.
Vorsicht! Glasursplitter sind rasiermesserscharf!

Dieser Elefant steht auf einerStütze! Ausprobieren ober zu sehr wackelt. Dann entweder nochmals eine Stütze oder zwei Dreikantleisten verwenden.

Schon ein bißchen schwieriger: Der Hahn bekommt 2 Stützen: 1 große stützt Kopf und Schwanz, die kleine Stütze liegt unter der Hülse. Dabei können die Stützen nahezu beliebig auseinander- und zusammengebogen werden.

Alle Platten werden möglichst gut ausgenutzt, damit kein Platz verloren geht:

Der Delfin im Vordergrund der obersten Platte hat 2 Stützen bekommen:

eine am Kopf ...

... und eine am Schwanz:

Auf unseren Platten steht im Glasurbrand alles auf Dreifüßen, dann brauchen wir die Platten nicht sauber zu putzen (nicht Faulheit, sondern Zeit ist hier für uns entscheidend):

Leider wurde der Ofen nicht ganz voll, aber wenn's mal ganz arg pressiert dann brennen wir ausnahmsweise auch mal so:


So, jetzt viel Spaß beim Brennen!
Wenn Sie noch Fragen habensollten , rufen Sie uns doch an oder schicken Sie uns eine Email!